Warum fahre ich mit GPS?
 
Jahrelang stand ich der GPS-Technik für Radreisen recht skeptisch gegenüber. Ich vertiefe mich leidenschaftlich gerne in die übersichtlichen Land- und Straßenkarten aus Papier, um all die vorhandenen Informationen für meine Reise optimal herauszulesen. Außerdem wollte ich neben der Digitalkamera und dem Mobiltelefon nicht noch weitere Geräte mitschleppen, die mir mit leeren Akkus und zusätzlichem Gewicht unterwegs den Nerv rauben. Erst eine Radreise in China ließ mich umdenken: Die GPS- Geräte anderer Radler führten uns ohne Probleme durch große und fremde Städte, für die wir im Vorfeld keine Karten finden konnten. Eine Orientierung ohne GPS wäre hier nur mit viel Spürsinn und Zeitaufwand möglich gewesen.
 
Den größten Nutzen haben GPS-Geräte bei der Orientierung in freier Natur abseits von kartierten Wegen. Aber auch auf der Straße kann GPS das Fahren einfacher machen. Ein großer Vorteil des GPS- Geräts ist der Umstand, dass man insbesondere auf schwierigen Streckenführungen im Gegensatz zur Karte mit dem Rad nicht anhalten muss, um den momentanen Standort mit der weiteren Fahrtrichtung abzugleichen. Gerade außerhalb von Ballungsgebieten fällt es - nur mit Karte ausgestattet - nicht leicht, sich ohne Schilder zu orientieren. Auch entfällt das Anhalten beim Wenden der Karte, wenn man wieder einmal den Rand des aktuellen Ausschnitts erreicht hat. Der Pfeil für den momentanen Standort zentriert sich während der Fahrt immer auf dem Display. Das heißt, die Karte schiebt sich unter dem Pfeil hindurch. 
 
 
 

 
 
Wissenswertes zur GP-Nutzung
 
Gleich zu Beginn möchte ich eine Warnung aussprechen: Ein GPS-Gerät zu kaufen und damit gleich loszufahren kann man sich aus dem Kopf schlagen. Die Bedienung der meisten erhältlichen Geräte ist für den Einsteiger ohne Grundkenntnisse kompliziert. Daher ist es unabdingbar, sich vor der ersten Tour intensiv mit dem Gerät, seinen Einstellungen und der Bedienung vertraut zu machen. Obwohl man auch ohne Karten ein GPS-Gerät nutzen kann oder es auf einigen Modellen bereits installierte Basiskarten gibt, steigern zugekaufte digitale Karten und Programme den Nutzwert des Geräts erheblich. Mit den richtigen Karten lassen sich Straßen sowie Orte, Ausflugsziele und andere wichtige POI, die bereits auf dem Gerät gespeichert sind oder vor der Tour selbst auf das Gerät überspielt wurden, punktgenau anfahren. POI steht als Abkürzung für Point Of Interest, also wichtige und interessante Punkte in der Karte. Ein POI kann das versteckte Restaurant aus dem letzten Urlaub, ein Arzt, eine Unterkunft oder ein toller Aussichtspunkt sein. Schließlich lassen sich mit einem GPS-Gerät aufgezeichnete Strecken über einen PC auf das eigene Gerät laden, um es dann nachzufahren. Ohne die ergänzenden Möglichkeiten die ein zusätzlicher Heim-Computer bietet, ist daher aus meiner Sicht ein GPS-Gerät für eine Radreise nur sehr eingeschränkt empfehlen. Schließlich sollte man wissen, dass ein GPS-Gerät nicht als Kartenersatz, sondern nur als Ergänzung zur Karte geeignet ist. Das Gerät kann auf der Reise einen Defekt erleiden oder die Akkus sind zum ungünstigsten Zeitpunkt leer. Außerdem können auch Bedienungsfehler das Gerät nutzlos machen, wie es mir gleich auf der ersten GPS-Tour passiert ist: Während der Fahrt wollte ich die Tagesdaten zurückstellen, übersah ein kleines Häkchen an der falschen Stelle und schon waren alle mühsam am PC geplanten Etappen der Tour unwiderruflich im GPS gelöscht. Wenn man dann keine Karte dabei hat, kann die Orientierung schnell problematisch werden und die Reise im schlimmsten Fall im Desaster enden.
 
Das kleine Display hat jedoch den Nachteil, nicht übersichtlich genug zu sein, um längere Strecken sinnvoll darzustellen. Das kann insbesondere hinderlich sein, wenn man unterwegs am GPS eine Alternativroute ausarbeiten will. Auch fällt es mir nach einer ausschließlich mit GPS-Nutzung gefahrenen Tour schwer, sie anschließend im Kopf nachzuvollziehen. Ich kann dagegen heute noch viele Reisen bei Nutzung von herkömmlichen Karten in groben Zügen auswendig nachvollziehen. Toll beim GPS ist die Aufnahmefunktion der gefahrenen Strecke für eine spätere Aufarbeitung am PC. Aus meiner Erfahrung mit beiden Systemen sehe ich diese nicht in Konkurrenz zueinander. Daher empfehle ich für eine Radreise ganz klar die Kombination von GPS-Gerät und Papierkarte. Die Karte nutzt man im Vorfeld zur Festlegung der Route und unterwegs zum Schmökern, zur großräumigen Orientierung, zum Planen von Alternativen und als Ersatz für den Fall eines Defekts am GPS. Das GPS - Gerät ist dagegen der nützliche Helfer während der Fahrt und zeigt die am PC ausgearbeitete Tour und alles Wissenswerte rund um den momentanen Standort. Aus diesem Grund habe ich unterwegs auch beides zusammen am Lenker im Blickfeld.
 
 

 


Das GPS-Gerät am Fahrradlenker: Die Karte für die Übersicht, das GPS für den genauen Standort und Details
  

 
GPS-Geräteauswahl

 
Wenn man sich nun grundsätzlich für das GPS entschieden hat, geht es zunächst an die Auswahl des richtigen Modells. Hier sind die Punkte Displayqualität, Bedienungsfreundlichkeit während der Fahrt, Einsatzdauer pro Batteriesatz, Radhalterung, Wasserdichtheit und die Vielfalt verfügbarer Karten aus meiner Sicht die wichtigsten Entscheidungskriterien. Wichtig ist ein klares, scharfes Display das sich ohne Hintergrundbeleuchtung (Batterieverbrauch!) bei allen Lichtbedingungen während der Fahrt gut ablesen lässt. Die Displays sind teilweise mit einem Touchscreen erhältlich. Hiermit lässt sich das Gerät ohne Tasten bedienen. Das hört sich grundsätzlich gut an, hat aber für den Einsatz am Fahrrad erhebliche Nachteile. Einerseits ist ein Touchscreen bei Kälte oder Regen mit Handschuhen kaum zu bedienen. Hier bieten sich vorrangig Geräte mit Tasten an. Viel schwerwiegender ist jedoch der Umstand dass ein Touchscreen am Lenker am Tage schon bei bewölktem Himmel, aufgrund von Spiegelungen kaum noch abzulesen ist. Gute Displays von Tastengeräten können dagegen sogar bei starker Sonneneinstrahlung noch abgelesen werden. Auch lassen sich Tastengeräte mit ein wenig Übung schneller bedienen da man für viele häufig zu nutzende Funktionen eine Taste vorfindet und sich nicht durch ein Menü quälen muss. Aus meiner Sicht spricht derzeit also alles für ein Gerät mit griffigen Tasten und normalem Display.
 
Bei der Stromversorgung kommen handelsübliche oder gerätespezifische Akkus zum Einsatz. Bei Touren mit täglich verfügbarer Stromversorgung zum Aufladen der Geräte ist dieser Punkt nicht von Wichtigkeit. Sobald jedoch das Gerät in abgelegenen Gebieten oder zum Beispiel auf Campingtouren eingesetzt wird sind Geräte von Vorteil, die man mit AA- oder AAA-Akkus und entsprechenden Batterien bestücken kann. So ist man länger unabhängig von einer Steckdose und spart viel Geld für spezielle Zweitakkus der Hersteller. Geräte ohne austauschbaren Akku würde ich nicht in die engere Wahl ziehen.
 
Schließlich ist auch die Art der Befestigung des GPS am Fahrradlenker von Bedeutung. Wichtig ist ein flacher Aufbau, der das Gerät verdrehsicher und schwingungsfrei am Lenker befestigt. Außerdem ist es vorteilhaft, wenn sich das Gerät mit einfachen Handgriffen vom Halter entfernen lässt. Am Lenker ist durch die Bestückung mit Glocke, Lenkertasche und Schalthebeln meist nur wenig Platz für ein zusätzliches GPS-Gerät. Daher lohnt sich in den meisten Fällen die Anschaffung eines zusätzlichen Halters mit kurzem Rohrstück, der an den Lenker geschraubt wird. Hieran lässt sich der Halter für das GPS einfach und zentral über dem Vorbau anbringen (siehe Foto oben). Auch wenn der GPS-Halter einen stabilen Eindruck macht ist es vorteilhaft, das Gerät über eine Handschlaufe am Lenker zu sichern, falls sich das GPS-Gerät trotzdem einmal bei einem harten Schlag oder Sturz aus der Halterung lösen sollte.
 
Das GPS-Gerät muss für den Einsatz am Rad unbedingt wasserdicht sein. Die Wasserdichtigkeit des Geräts lässt sich anhand einer Abkürzung auf dem Gehäuse oder der Betriebsanleitung ermitteln. Die Kennzeichnung setzt sich aus der englischen Abkürzung IP für Schutzklasse und zwei Zahlen zusammen. Die erste Zahl seht für den Grad der Dichtigkeit gegenüber festen Partikeln und ist hier nicht von großer Bedeutung. Daher wird als Platzhalter häufig ein X angegeben. Die zweite Zahl zeigt den Grad für den Wasserschutz an. Für die Bedingungen auf einer Radreise ist die Stufe 7 ausreichend. Das bedeutet, dass das GPS kurzzeitig in Wasser eingetaucht werden kann, aber nicht länger untergetaucht werden darf, um dicht zu bleiben. Ausreichend wasserdichte Outdoor-GPS-Geräte weisen eine Dichtigkeit von IP X7 auf.
 
Ob eine Sprachausgabe beim Routing sinnvoll ist würde ich verneinen. Weitere Funktionen wie Kompass, eine integrierte Kamera oder eine Anzeige der besten Angelzeiten wird der Normalradler in der Regel entbehren können. Neben reinrassigen GPS-Geräten für den Outdoorbereich weisen fast alle neuen Smartphones und guten Mobiltelefone eine Navigationsfunktion auf. Obwohl es auch hierfür mittlerweile Fahrradhalter im Zubehörhandel gibt, stellen diese Geräte nur eine Notlösung auf der Radreise dar. Die Batterielebensdauer ist beim Einsatz als Navigationsgerät oft unzumutbar kurz, und Wechselakkus sind nicht verfügbar oder sehr teuer. Das Display ist in der Regel im Freien schlecht abzulesen und muss dazu noch beleuchtet werden. Außerdem ist kaum ein Mobiltelefon wasserdicht und stabil genug für den harten Einsatz auf dem Rad. Schließlich ist es bei vielen Modellen unmöglich, fahrradspezifische Karten zu nutzen. Man muss hier mit den enthaltenen Straßenkarten vorlieb nehmen. Auto-Navigationsgeräte haben analog zu den vorgenannten Beispielen dieselben Nachteile.

 


 

 

Nutzung des GPS-Geräts

Grundsätzlich kann man sein neues GPS auch ohne Karten nutzen, sofern man sich über einen PC einen entsprechenden Track auf das Gerät lädt. Ein Track stellt die genaue Streckenführung einer Tour dar, die sich aus vielen von einem GPS gespeicherten Ortspunkten zusammensetzt. Die Summe der aufgezeichneten Punkte zeigt sich dann als gewundene Linie auf dem Display. Solche Tracks können selbst aufgezeichnete Touren aus der Vergangenheit sein, mit Hilfe von digitalen Karten selbst erstellte Strecken darstellen oder aus dem Internet hochgeladen werden. Dort gibt es auf speziellen Internetportalen eine riesige Auswahl aus aller Welt. Hier stellen viele GPS-Nutzer ihre aufgezeichneten Trips meistens mit kurzer Beschreibung und den Tourendaten ein. Auf diese Weise kann man sich ohne große Mühe schnell einige Routen für das Zielgebiet zusammen stellen. Kleiner Nachteil: Man muss sich auf fremde Daten verlassen, die nicht immer korrekt sind. Außerdem muss die fremde Strecke nicht die optimale Route darstellen und man fährt auch jedem Umweg hinterher, den der Track- Ersteller mit aufgezeichnet hat. Daher ist eine Prüfung des Tracks über einen Routenplaner vor der Nutzung sinnvoll sofern man keine digitalen Karten besitzt.

Über die Internetportale lassen sich auch unzählige POI finden und aufs Gerät laden, die für die Tour nützlich sein können. Mittlerweile haben auch etliche Firmen die Vorteile von POI für den GPS-Nutzer erkannt und stellen Filialen des Unternehmens (zum Beispiel Supermarkt- oder Restaurantketten) als Datensatz im Internet zur Verfügung. 


 


 

 

Digitale Karten


Um das GPS optimal zu nutzen, ist der Einsatz von speziellen digitalen Karten sinnvoll. Hier unterscheidet man prinzipiell zwischen Rasterkarten und Vektorkarten und beide wiederum in Straßenkarten und topografische Karten. Außerdem können bestimmte Karten noch routingfähig sein. 
Rasterkarten sind prinzipiell wie aufs GPS kopierte Papierkarten anzusehen. Dabei verändert sich der Informationsinhalt und die Darstellung bei einer Veränderung des Maßstabs am Gerät nicht. Eine Vektorkarte enthält dagegen viele Informationen, die sich nach und nach erst bei schrittweiser Vergrößerung der Karte zeigen. Dadurch lässt sich die Ansicht auf dem Display viel übersichtlicher gestalten. Mit einer routingfähigen Karte schlägt das GPS nach einer Zieleingabe selbständig eine Strecke vor. Auch kann man den Streckenvorschlag des Programms auf dem PC nach eigenen Vorstellungen abwandeln und dann erst auf das GPS laden. Auf der Tour wird man so vorbereitet, vom GPS aktiv über die Straßen geleitet. Bei notwendigen Richtungsänderungen meldet sich das Gerät akustisch mit Signaltönen und optisch mit eingeblendeten Richtungspfeilen auf dem Display. 
Beim Kartenkauf ist zu beachten, dass nicht jedes GPS-Gerät jede Karte anzeigen kann, was ein Auswahlkriterium für das GPS darstellt. Außerdem ist zu bedenken, dass zwar die meisten Programme auf einem PC mit Windows-Betriebssystem laufen, einige aber nicht auf einem Rechner mit Apple Betriebssystem. Schließlich sind noch Karten erhältlich, die man zwar auf das GPS-Gerät speichern kann, nicht jedoch auf den PC! 


Man sieht also deutlich dass es notwendig ist, sich vor dem Kauf eines GPS und entsprechenden digitalen Karten ausführlich mit dem Thema vertraut zu machen, und mit den eigenen Bedürfnissen abzugleichen. Ansonsten sind ein teurer Fehlkauf und Frust bei der Anwendung nicht auszuschließen. Ideal für den Einstieg in das komplexe Thema sind GPS-Kurse bei Volkshochschulen und beim ADFC sowie spezielle Fachbücher, die das Thema in allen Details betrachten. 

 


 

 

Checkliste GPS-Kauf

 

•Vor dem Kauf ein GPS-Fachbuch gelesen? 

•Display ohne Beleuchtung auch in der Sonne ablesbar? 

•Welche Karten verfügbar? 

•Programme und Karten am PC bzw. Mac und am GPS nutzbar? 

•Routing auch für Radwege möglich? 

•Bedienungsfreundlichkeit (Menü, Knöpfe/Touchscreen) 

•Laufzeit der Akkus? Standardakkus/-batterien verwendbar? 

•Stabiler Fahrradhalter erhältlich? 

•Speicherplatz für 3-wöchige Tour ausreichend? 

•Gerät wasserdicht (IP X7)? 

•Fahrrad-Tachofunktionen abrufbar (Geschwindigkeit, Strecke, Höhe, etc.)? 

•Weitere Nutzungsmöglichkeiten (KFZ-Routing, Wandern, Geocaching?) 


 


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